Tiroler Gastlichkeit
Hotel Kellerwirt in Oberau
Der Kellerwirt in Oberau ist ein für die Gegend typischer Gasthof. Soweit so gut, könnte man sagen und hinzufügen, erfreulich, dass es ihn gibt. Hinter den mächtigen Mauern des alteingesessenen Hauses verbirgt sich jedoch ein Stück Wirtshauskultur, die weit über dem Tiroler Landesdurchschnitt liegt. Und das nicht nur der illustren Gäste wegen, die sich, wie wir hören, förmlich die Klinke in die Hand geben. Unser Herr Bundespräsident ist hier ebenso gerne zu Gast wie der russische Landwirtschaftsminister, Seniorensprecher Andreas Khol, Prinz Edward, Abfahrts-Olympiasieger Fritz Strobl, der Bulle von Tölz, alias Otfried Fischer, sowie größere und kleinere Stars der Volksmusik. Dafür muss es Gründe geben, und denen sind wir nachgegangen. Wie die Gewölbe Tradition verraten, so bodenständig und für Tiroler Verhältnisse wohltuend qualitätsbewusst kommt das Essen auf den Tisch. Weil sich der Küchenchef stark nach dem ausrichtet, was Garten, Wiesen und Wald an Obst, Beeren, Gemüse, Kräutern sowie Haus- und Wildtieren der Jahreszeit entsprechend hergeben, ist es ein großes sinnliches Vergnügen, im Kellerwirt zu essen und zu trinken. Auch der Weinkeller ist groß und das nicht nur im räumlichen Sinn. Wir haben dem Bodenständigen Referenz erwiesen und mit Schlutzkrapfen auf Kohlrabi-Carpaccio begonnen, um uns danach an einer Selleriesamtsuppe mit Lachsstreifen zu delektieren.
Den hauseigenen Gemüsegarten schmeckt man wohltuend durch. Die Schweinemedaillons mit Gartenkräutersauce auf Serviettenknödel waren mehr von der Portionsgröße als von der Raffinesse her eine Wucht. Wer zu oft jubelt, dem geht das Lob aus. Und das wäre in unserem Fall sehr schade gewesen, denn das Parfait vom weißen Spargel hat sich als Weltmeister im Gaumenschmeicheln entwickelt: zart und fein in der Konsistenz, vom Geschmack her nicht zu aufdringlich und erwartet vielschichtig im Zusammenspiel mit den Pfeffer-Balsamico- Erdbeeren. Selbst der Touristenrenner Kaiserschmarrn hat geschmeckt, wie er hausgemacht zu schmecken hat, und wurde mit Zwetschkenröster und Apfelmus serviert. Allein das macht en Tiroler Wirtshaus bereits mehr als haubenverdächtig. Auch mit der Auswahl der Weine, ein Grüner Veltliner vom Weingut Türk und ein St. Laurent Premium Reserve vom Winzerhof Dockner, beide aus dem Kremstal, wurde der Qualitätsanspruch des Hauses voll und ganz unter Beweis gestellt. Der gourmetverständigen Prominenz ist es demnach keineswegs zu verdenken, dass sie im Kellerwirt gerne aus und eingehen.





